Ab zur Kieler Woche!

Jeder weiss es, im Juli haben die Dänen Ferien, und man bleibt da besser weg, die Häfen sind Mittags schon voll und sowieso ist es da überall voll Menschen! So meine Erinnerung vom Segeln, und ich denke ich war schon ein Jahrzehnt nicht mehr im Juli in Dänemark. Doch dieses Jahr sollte es anders sein … Mein Bruder wollte gerne zur Kieler Woche, natürlich mit dem Boot (jeder seins). Also rief ich im Frühjahr den Olaf an und sagte er solle bitte zwei Liegeplätze freihalten. Alles Klar.

Eine Woche vor der Kieler Woche rief ich ihn wieder an, um zu hören wie es aussieht. Das Gespräch war sehr interessant ; -) „Moin, Olaf, wir kommen dann nächste Woche“, „Nä, nicht zur Kieler Woche!“, „Ja, doch, darum hatte ich dich doch im Frühjahr angerufen“, „Aber mal total nicht mit zwei Schiffen“, „Ja, egal, wir kommen mal vorbei und gucken mal … ansonsten fahren wir weiter …“ Und der Tag kam, an dem wir dann in Bremerhaven los mussten.

Dirk lag auf seinem Platz hinter der Brücke und rief irgendwann an, das sein Bugstrahlruder nicht funktioniert. Die Batterie wird wohl seit dem Solarumbau nicht mehr geladen, also sagte ich „ Musst Du wissen, entweder ohne Fahren oder Du musst noch ne neue Batterie besorgen, die wird durch sein.“ Wir verschoben unsere Abfahrt auf den nächsten Tag und Dirk schaffte es tatsächlich noch ne neue Batterie zu besorgen!

Am nächsten Tag endlich öffnete sich die Brücke und Dirk kam heraus. B3RIKK angeschmissen, Leinen los und hinterher zur Schleuse. Wir mussten ein paar Minuten im Hafen warten und vor der Schleuse rumtreiben, ich bestimmte einen Funkkanal und so konnten wir uns dann ohne Schreien unterhalten, was wir auch taten. Irgendwann Durchsage des Schleusenwärters: „Die beiden Sportboote da, bitte unter der Brücke durchfahren, ich mach die nicht auf.“ Vor und hinter der Schleuse verläuft eine kleine Autobrücke, die ist sehr niedrig und wird eigentlich immer geöffnet. Ok, nun gut – ich versuche mal da drunter her zu kommen. Mit dem Mast habe ich ne Durchfahrtshöhe von ca 4,5m, habe ich gemessen.

Ich fuhr als erster, damit Dirk von weitem auch gucken konnte, er sprach mir die ganze Zeit über Funk zu und auch ich sah das dass wohl passen würde … aber knapp, an 5m Durchfahrtshöhe der Brücke glaube ich nicht mehr – aber es täuscht ja auch sehr, wenn man das direkt von unten beurteilen soll/darf. In der Schleuse sprach Dirk schon von Wärmeproblemen beim Motor, wir vereinbarten gleich rechts in die Geeste abzubiegen und dort an den Notsteg zu gehen um das Thema zu klären … beim Funken war sein Piepen des Motors deutlich zu hören.

Also raus aus der Schleuse und ab in die Geeste, ich fuhr normal und erreichte als erster den Notsteg, einer Lag dort schon und ich machte hinter ihm am ende des Steges fest. Etwas knapp, aber so war mehr Platz für Dirk, der auch ein paar Minuten späte langsam angefahren kam. Wir dachten darüber nach was es denn sein kann und irgendwann waren wir uns sicher: Es muss der Impeller sein. Die Wasserkühlung – was anderes kann es nicht sein. Also organisierte Dirk den Mann von Sandra der ist Automechaniker und weiss, was er macht. Derweil guckten wir wo man Schrauben müsste um den Impeller zu erreichen. Die Anleitungen führten Dirk hinten links an den Motor … aber für mich sah das doof aus und am Ende stellte sich auch raus, das wir vorne rechts Schrauben mussten. Überrasschender Weise hatte Dirk tatsächlich einen Ersatzimpeller parrat! Wow – das habe ich auf der B3RIKK noch nicht, warum ich auch die ganze Zeit mit schlechtem Gewissen fahre … aber was solls ….

Am Abend kamen dann Sandra und Ihr Mann und der Impeller wurde gewechselt. Viel war von dem Alten nicht mehr übrig, ist schon faszinierend wie schnell der sich irgendwann zerlegt, nur kleine Brösel waren noch zu sehen ; -)

Der Plan war, dann den nächsten Tag zu fahren, Dirk würde früh aufstehen und losmachen … ich würde Ausschlafen und ihn schon irgendwann einholen, wir planten bis Brunsbüttel in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) zu fahren, dann schaffen wir das bis Freitagabend in Kiel!

Gegen 4 Ur irgendwas wachte ich zum Klogang auf und Dirk war weg … ok, früh aber war ja so geplant. Also wieder ins Bett und gegen 8 war ich wieder bereit zum aufstehen. Da muss ich mich schon etwas beeilen um Dirk noch zu bekommen, wenn ich das überhaupt schaffe – aber egal. Ich wollte gerade den Motor starten, da bekam ich eine Nachricht das er wieder in der Doppelschleuse liegt! What?! Von 4 bis 8 zur Doppelschleuse – Scheisse, was fürn Chaos muss das gewesen sein?! Er hat immer noch Wärmeprobleme und geht erstmal wieder auf seinen Liegeplatz – ich solle alleine los. Also gut, dann fahr ich wieder mal alleine.

Ganz ehrlich , ich hatte mich schon ein bisschen darüber gefreut mit meinem Bruder loszufahren, schon alleine die Kieler Woche hätte ich ohne Ihn sicherlich nicht angesteuert … und nun sitze ich wieder alleine da und darf zur Kieler Woche ; -) Naja, das wird was werden. Aber egal: Motor an, Ablegen.

Und so fuhr ich alleine auf die Weser raus und spürte den Spass in mir als ich den Hebel nach vorne schob und quer ab Zoo schon die 20kn Fahrt erreicht hatte.

Es war mässig etwas los, ich musste ein Containerschiff passieren und war dieses Mal schon vorbereitet auf dessen Schwell, kurzzeitig die Geschwindigkeit runter ging es ganz entspannt an dem Vorbei. Bei der letzen Fahrt unterschätze ich das noch jedes mal und es gab fiese Stösse an Bord. Ich fuhr das neue Fahrwasser und am Alten Weser Leuchtturm vorbei, gute zwei Stunden später, mögen auch 2 1/2 Std gewesen sein erreichte ich in Cuxhaven die Tankstelle. 12% waren noch im Tank und die ganze Fahrt war schon weniger Nervosität bez. des Tanks zu spüren als beim letzten Mal, es war trotzdem schön die Tankstelle erreicht zu haben. Ich tanke für über 900 Euro voll und legte wieder ab, wieder raus auf die Elbe, weiter nach Brunsbüttel.

Hierhin brauchte ich noch ne halbe/dreiviertel Stunde, ganz entspannt. Dort angekommen musste ich noch ein bisschen Warten, aber es standen dort schon einige Sportboote so das es nicht länger als 20 Minuten dauerte bis wir in die Schleuse einlaufen durften.

Es ist schon faszinierend wie und wo mache auf Reede liegen während dort Berufsschiffe einlaufen/auslaufen … und so gab es irgendwann auch ne Durchsage über Funk, das die Sportboote bitte im Wartebereich warten mögen … ja, dafür ist der da ; -) Als die Schleuse auf Weiss ging war ich “etwas optimal” vor der Schleuse und lief als erster ein ; -) anlegen mit Steuerbordseite, ganz nach vorne – sehr gut! Ich lag am ende nur etwas über dem gelben Strich, also zog ich das Boot während der Schleusung noch wieder etwas zurück! „etwas optimal“ ist es bei mir immer, denn ich passe ja auf … einige trödeln beim Ein- und auslaufen in die Schleuse, so das ich schon nervöse Ableger gesehen habe … weil der Schleusenwärter auch nur ein beschränkte Ruhe aufweisen kann… Beim auslaufen ist das immer besonders schwer, denn manch einer möchte das man vor gesamter Öffnung durch das Tor fährt, der andere wieder nicht ; -)

Im NOK legte ich dann direkt in Brunsbüttel im Sportboothafen an, es war Frühnachmittag also alles entspannt und ich fand viel Platz vor, der sich bis zum Abend wirklich gut füllte: Um nicht zu sagen, es war am Abend gerappelt voll und fast überall (gefühlt nur bei mir nicht) lagen zwei Boote längsseits!

Am nächsten Tag machte ich weiter zur Giselauschleuse. Eine lange Fahrt, wie ich finde, aber entspannter als mit der lieblos, denn die B3RIKK fährt auch bei ca. 7kn ganz ok … und verbraucht „keinen“ Diesel ; -)

So legte ich als zweiter bei der Giselauschleuse an und genoss den heissen Tag… Spazierengehen oben ohne, Schwimmen und einfach nur herumhängen. Ich betrachtete wie es voller wurde und machte mir manchmal Gedanken darüber wie wenig sich manch einer Gedanken macht, warum liegen diese beiden Schiffe nur 8m auseinander … man könnte ja auch …. aber ich versuchte meine Gedanken auszublenden : -) … is mir doch egal ….

Am nächsten Tag ging es weiter nach Kiel! Eine langweilige Fahrt und tatsächlich hatten wir bei dieser Fahrt wieder ein dreimal Rot dabei! Das heisst: Alle Schiffe/Man stop! Das hat dieses mal ne knappe Stunde gekostet. Man, das hatten wir letztes Mal schon : -) Nina (die von der SY Nina) berichtete später das sie das in 20 Jahren noch nicht erlebet haben … tja, ich die ersten 17 Jahre auch nicht #; -)

In Kiel konnten wir ziemlch zeitnah ausschleusen, auch wieder Steuerbordseite ganz vorne, als erster raus – aber nicht rein! Die Kollegen vor mir machten wieder irgendwo in der Mitte fest *kopfschüttel* Tatsächlich war da noch unmengen Platz vor denen , sogar so viel das ich mit denen nicht mehr reden hätte könnten (ohne zu Schreien) und auch viele nach mir weiter vorne angelegt haben.

Egal, alles lief gut und wie geschrieben, lief ich als erster Aus, durch eine kleinen Spalt des Schleusentores, weil ich schon häufiger gehört hatte das der Schelusenwärter dieses den Sportbooten vorgab und nicht die besagte Ruhe besass :-). Etwas langsamer (oder genau so schnell wie auf dem NOK) näherte ich mich Kiel und fuhr bei der Blücherbrücke um den Sandhafen und sah gleich ne freie Box, die ganz rechte, die war Megabreit und es lag nur ein Schlauchboot drin. Natürlich war die Aufregung gross und ich versemmelte den Anleger, wie man nur kann! Erst fast gegen den Backbordpfeiler, dann vertüddelten sich alle Leinen und am Ende schrie Olaf so das ich nen bisschen viel Gas gab und mit dem Bug auf dem Steg landete. Dabei das Gelaber des Schlauchbootes – alles nicht schön – und wie ich später, oder ggf auch sofort merkte: Die Kieler Woche auch nicht (mehr)! Aber ich lag fest, auf der Kieler Woche 2026! Auf einem Premiumplatz! Mitten in der Kieler Woche!

Nur war es scheisse … aber ich war in der Ostsee!

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